Reifträgerweg – RTW-aktuell

Thomas Frey Regionalreferent des Bund Naturschutz (BN) Bayern für den Regierungsbezirk Schwaben besichtigt den Reifträgerweg (RTW) von Karl Ilgenfritz Kaufbeuren/Neugablonz/Germaringen – Thomas Frey, der Regionalreferent des Bund Naturschutz (BN) Bayern für den Bereich des Regierungsbezirks Schwaben besichtigte im Rahmen einer öffentlichen Begehung mit zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern am Donnerstag, 5. August 2010 das Gebiet „Rund um den Reifträgerweg“ an der Gemarkungsgrenze zwischen der Stadt Kaufbeuren und der Gemeinde Germaringen. Bei nasskalten Wetterbedingungen begrüßte Peter Orendi, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Kaufbeuren neben den Vertretern der Allgäuer Zeitung und des Kreisboten die Stadträte Wolfgang Hawel, Ulrike Seifert und Helga Ilgenfritz. Michael Jahn, Co-Sprecher des Agenda21Arbeitskreises Klimaschutz gab zusammen mit Robert Negele am bisherigen nördlichen Ende der neu geplanten RTW-Trassen-Führung Hinweis auf die Folgen der großen Windbrüche der 90er Jahre, die den Schutzwald bereits „geöffnet“ haben damit anfällig für weitere Schäden gemacht haben. Michael Jahn betonte, dass die einmal durch Rodung sozusagen „geöffneten“ Schutzwälder immer weitere vordringende unstabile Ränder bekommen und die Wald-Strukturen nach und nach zurückbilden lassen um diese letztlich vollends aufzulösen. Diese Erkenntnis sollte sich im Verlauf der Begehung des weiteren RTW-Streckenverlaufes für alle noch mehrmals offen zeigen. BN-Vertreter Thomas Frey sieht bedrohliche Lage für das gesamten Schutzwaldsystem im Neugablonzer Osten Thomas Frey betonte, dass der Multi-Schutzwald, der am etwaigen RTW infolge der offenbar bewusst nicht erfolgten systematischen Wieder-Aufforstung nach den großen Sturmschäden vorrangig hätte wieder aufgeforstet werden müssen, da dieser Wald auch und gerade in seiner Eigenschaft als sog. „Sturmschutzwald“ Folgeschäden auf die Nachbarwälder verhindert hätte. Vor dem Hintergrund der Lärm- und der sonstigen Immissions-Einflüsse der nahegelegenen B 12, die erweitert werden soll, erhält das Schutzwald-System zudem eine überragende klimaschützende Bedeutung für die Bürgerinnen und Bürger nicht nur in Kaufbeuren-Neugablonz. Die in weiten Bereichen festgestellten, bereits eingeknickten (Waldrand-)Fichten geben Hinweis auf die eingangs gemachte Feststellung der sukzessiven Zurückbildung des noch vorhandenen Wald-Torsos. Thomas Frey äußerte über die vorgefundene Wald-Situation vor allem deswegen großes Unverständnis, weil vor Jahrzehnten oft mühevoll diese Schutzwaldgebiete gebildet wurden, die man jetzt einfach aufgeben will um neue Baugebiete zu erschließen. Dies mache schon deswegen keinen qualitativen Sinn, da nur wenige hundert Meter entfernt in völlig waldfreien Bereichen neben der B 12 solche Baugebiete ohne Eingriff in ein wertvolles Schutzwald-System leicht und einwandfrei erschließbar wären. Das hier erkennbar zum Ausdruck kommende Abwägungs-Defizit der Planungsträger Stadt Kaufbeuren und Gemeinde Germaringen werde ggf. noch große Bedeutung erlangen. Gewerbegebiet Riederloh I + II + Wohnbaugebiet RTW-Süd + Baugebiet lt. Schreiben der Regierung von Schwaben bis hin zur B 12… Im Rahmen des abschließenden Pressegesprächs in der Gaststätte Waldstadion betonten die Vertreter des Agenda21Arbeitskreises Klimaschutz, dass der am 12. 7. 2010 im Rahmen der Gemeinderatssitzung Germaringen neue bauleitplanerische Versuch, die Baugebiete Riederloh I + II (20.000 qm + 10.000 qm) jetzt zunächst ausklammern zu wollen um die etwaige RTW-Straße isoliert durchzusetzen, als eine Reaktion auf den zunehmenden Widerstand gegen den etwaigen RTW gesehen wird um dabei allerdings als leicht durchschaubarer „Planungs-Trick“ definiert werden muss: Nachdem die forstamtliche Rodungserlaubnis für das etwaige Baugebiet Riederloh II am 21. 1. 2009 sowieso nicht gegeben war, müsste sich folgerichtig diese Nichterteilung der Rodungserlaubnis auch auf das Baugebiet Riederloh I erstrecken, weil beide Schutzwaldgebiete Funktionsgleichheit haben. Wenn man das in einer Zweckvereinbarung zwischen der Stadt Kaufbeuren und der Gemeinde Germaringen aus dem Jahre 2008 zum Ausdruck kommende Wohngebiet am etwaigen RTW-Süd (9.000 qm) und die Ausführungen (Baugebiet bis hin zur B 12) im Schreiben der Regierung von Schwaben vom 21. Mai 2008 zusammenfassen würde, ergäbe sich eine völlige Veränderung der bisherigen Raumordnungs-Struktur: Schreiben der Regierung von Schwaben vom 21. Mai 2008 – Gz.: 31-4327.12/10 (Ltd. Baudirektorin Roßmann) an die Historische Forschungsstelle Kaufbeuren „… Seit langer Zeit versucht die Stadt Kaufbeuren eine leistungsfähige Verkehrserschließung für den Stadtteil Neugablonz-Ost und den Nachbarort Germaringen eine direkte Verkehrsanbindung seiner angrenzenden, geplanten Gewerbe- und Wohnbaugebiet hin zur Bundesstraße 12 zu erreichen. …“ Dies bedeutet, dass über die bisher schon bauleitplanerisch bekannten Erschließungsplanungen hinaus, weitere Planungen dieser Art regierungsamtlich bestätigt wurden, die einerseits zu einem erheblichen Ansteigen des Verkehrsaufkommens, gerade im Bereich der Sudetenstraße-Süd und andererseits vor allem zu einer völligen „Umwidmung des bisherigen Schutzwald-Vorrang-Gebietes im Neugablonzer Osten in Bauland“ führen würden. Ein solche etwaige Entwicklung würde auch den vitalen regionalplanerischen Raum-Interessen, die bisher den o. g. elementaren „Schutzwald-Vorrang“ vorsehen, völlig zuwiderlaufen. Die etwaige Umkehrung der Raumordnung wird man nach übereinstimmender Auffassung sicherlich nicht über die an eine „Salami-Taktik“ erinnernde Vorgehensweise über minimalistische Einzel-Bebauungspläne unter Umgehung der raumordnenden Erfordernisse, rechtfertigen können.

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