Internationales Jahr der Wälder ging in Kaufbeuren zu Ende

BN-Vorsitzender Peter Orendi:

Die Wald-Botschaft des Jahres 2011 muss ab 2012 ff nachhaltig umgesetzt werden…

Kaufbeuren  – Nach Abschluss des umfangreichen Veranstaltungsprogramms zum „Internationalen Jahr der Wälder“ in Kaufbeuren begrüßte  Peter Orendi im neuen Jugendzentrum „Fun Factory“ im Namen der beiden örtlich initiierenden Gruppierungen, also der Ortsgruppe Kaufbeuren des Bund Naturschutz und dem Agenda21Arbeitskreis Klimaschutz Kaufbeuren – und des Stadtjugendrings und der Volkshochschule Kaufbeuren als weitere Mit-Veranstalter  zahlreiche Gäste, darunter auch die Stadträte Forstdirektor Gerhard Limmer und Ulrike Seifert.  Bürgermeister Gerhard Bucher und der neue Vorsitzende des Stadtjugendrings, Sebastian Zajicek  wandten sich in ihren offiziellen Funktionen  mit Grußworten an die Teilnehmer der Abschlussveranstaltung. Nach einem kleinen Theater-„Splitter“ von zwei Mitgliedern der  Kulturwerkstatt leitete Peter Orendi  zur  inhaltlichen Abschlussveranstaltung über. Feierlich umrahmt wurde der gesamte Veranstaltungsablauf von einer Bläsergruppe, die sich aus ehemaligen Mitgliedern der Tänzelfest-Knabenkapelle zusammensetzt.

 

Entstehungsgeschichte und Auftakt

 

Ausgehend von  UN-Resolution 61/193 vom 20. 12. 2006 nahmen Peter Orendi, Karl Ilgenfritz und Michael Jahn zunächst mit der deutschen „Kampagnengruppe“ des „Internationalen Jahres der Wälder“ Verbindung auf um die Grundzüge der nationalen Themen-Befassung in Erfahrung zu bringen. Im weiteren Verlauf wurde ein vorläufiges örtliches Programm ausgearbeitet. Dieses wurde von Peter Heel  und Beate Schütz für den Stadtjugendring Kaufbeuren, von Elke Schad für die Stadt Kaufbeuren und von Joachim Schön für die Volkshochschule Kaufbeuren arbeitsgemeinschaftlich ergänzt. Die Auftaktveranstaltung am 21. März 2011 fiel zeitlich mit dem UNESCO-Welttag der Poesie zusammen, so dass mit Ingeborg von Rumohr auch der Autorenkreis Allgäu früh Wald-thematisch in Erscheinung trat.

 

Der Wald in der Musik und Poesie, im Märchen, in der Religion…

 

Peter Orendi berichtete über die vielgestaltigen Erscheinungs- und Darstellungsformen, die der Wald in den Bereichen Musik, Poesie und vor allem in den Märchen im Programm eingenommen habe. Der Literaturblog Bayern der Bayerischen Staatsbibliothek berichtete ausführlich über die Kaufbeurer Auftaktveranstaltung. Unter dem Motto „Ohne Baum“ – also ohne Papier – wäre Goethe unlesbar zog sich diese kulturelle Befassungsebene mit dem Helga Ilgenfritz vom Literarischen Frauen-Kolloquium, dem Freundeskreis Sophie la Roche, dem Autorenkreis Allgäu und der VHS wie ein roter Faden durch das gesamte Jahresprogramm. Ob es Raimund Lidl war, der mit seiner gelungenen Buchvorstellung die „Schöpfungsgeschichte“ thematisierte oder Peter Suska-Zerbes mit seinem VHS-Schreibkurs – immer war eine tief angelegte inhaltliche Befassung und reges Interesse erkenn- und spürbar.

 

Die Schutzwald-Aktion Kaufbeuren – das Programm in Wald und Flur

 

Nachdem der Agenda21 Arbeitskreis Klimaschutz Kaufbeuren im Rahmen seiner Frühjahrs-Versammlung die bereits 2010 begonnene „Schutzwald-Aktion“ präsentierte und dabei die bleibenden planerischen Bedrohungslagen für die vielfältigen Schutzwald-Funktionen, insbesondere im Raum zwischen Kaufbeuren-Neugablonz und Germaringen darstellte, kam es in den Osterferien zu den ersten praktischen Aktionen, die in den Wald und über die Fluren führten. Mit Dr. Christoph Greifenhagen konnte der „Schwarze Graben“ in Kleinkemnat ebenso erkundet werden wie das Pilz- und kräuterreiche Gebiet im Aschthal bei Friesenried, die waldmärchenerzählende Kräuterpädagogin namens „Mühlenlili“ war mit Kindern rund um die Seitzkapelle am Hartmähderweg unterwegs. Mit großer Begeisterung wurde die SJR-Ferienaktion „Wichtel – Zwerge – auf der Suche nach dem verwunschenen Baum“ aufgenommen. Die örtliche Greenpeace-Gruppe hielt einen Informationstag im Jordanpark ab, mit Dr. Hans-Joachim Hübner wurde rund um das Waldstadion eine geführte Pilz-Wanderung unternommen. Bertlies Adler aus Germaringen  informierte über die Bedeutung des Waldes im Rahmen einer insbesondere landwirtschaftlich geprägten Haushaltsführung.

 

Der Wald-Malwettbewerb der Stadtolympiade

Eine sportliche Note erhielt die Wald-Befassung im Rahmen des traditionellen Mal-Wettbewerbs der Stadtolympiade an dem allein mehrere hundert Kinder teilgenommen haben. Der Verein Stadtolympiade Kaufbeuren e. V. unter Manfred Wagner, Elke Schad von der Stadt Kaufbeuren, Abt. Gleichstellung und der Stadtjugendring Kaufbeuren  haben nach der Siegerehrung eine beeindruckende Anschluss-Ausstellung organisiert und dem Wald eine wahrhaft „olympische“ Dimension verliehen…

 

„Die großen Vier“

So lautete der Titel eines Referates des Diplom-Biologen Manfred Wölfl im Rahmen einer Veranstaltung des Jagdschutz- und Jägervereins Kaufbeuren, des Landesbundes für Vogelschutz und dem Bund Naturschutz. Thematisiert wurde dabei insbesondere die  mögliche Rückkehr auf „leisen Pfoten“ von Bär, Luchs und Wolf… in unsere heimischen Wälder.

 

Weihenstephaner Erklärung

 

Im Rahmen der Herbstversammlung des Agenda21 Arbeitskreises Klimaschutz Kaufbeuren berichtete Forstdirektor Gerhard Limmer in Kaufbeuren mit einem tief gegliederten Referat über die „Weihenstephaner Erklärung“, mit der hohe offizielle Stellen und Forstfachleute aller Ebenen die Bedeutung des Waldes, insbesondere im Zeitalter des bereits voll im Gang befindlichen weltweiten Klimawandels fachlich hervorheben.

 

„Leidensweg“ inmitten des Erinnerungs- und Geschichtswaldes…

 

Vida Guggemos thematisierte im Beisein des Bundestagsabgeordneten Alexander Süssmaier aus Augsburg  die historische Dimension des Waldes zwischen Kaufbeuren-Neugablonz, Germaringen und Steinholz, dem Standort einer KZ-Außenstelle von Dachau. Der dortige Hartmähderweg und das umgebende bewaldete Gebiet war vor etwa 65 Jahren auch ein Schauplatz des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte, das sich erst im 20. Jahrhundert zugetragen hatte. Damit wurde dieses Waldgebiet auch zum „Leidensweg“ und „Leidensort“ vieler jüdischer Zwangsarbeiter – mithin ein immerwährendes Mahnmal und ein Wald-Denkmal inmitten eines Erinnerungs- und Geschichtswaldes besonderer Prägung und „Gegen das Vergessen!“

 

Das „Leuchtturm“-Wald-Projekt am Hartmähderweg

 

Am Ende des „Jahres der Wälder“ konnten Bürgerinnen und Bürger das „Leuchtturm-Projekt“ des Wald-Jahres bestaunen:

Ein Germaringer Landwirt hat einen Teil seines dortigen Waldgebietes wieder aufgeforstet und sein großes Wiesengrundstück völlig neu und erstmals aufgeforstet. Damit wurde auch und  gerade an einer der umweltsensibelsten Stellen des mehrfachen Schutzwaldgebietes zwischen Kaufbeuren-Neugablonz und Germaringen nicht nur das einzig zeitgemäße Signal gegeben, mehr noch: Mit dieser tatsächlichen, sichtbaren und wirksamen Aufforstungs-Maßnahme wurde und wird ein nachhaltiges Vorbild gegeben, das seinesgleichen sucht. In einer Zeit, in der amtliche, öffentliche Planungen immer noch rigorose Abholzungen von Schutzwaldgebieten vorsehen, bekommt dieses Wald-Projekt die symbolische Funktion eines „Leuchtturmes“ inmitten einer politischen Landschaft, die sich eigentlich den existentiellen Fragen des Klimaschutzes widmen und im Rahmen dieser auch kommunalen Aufgabe Schutzwälder nicht sinnlos zerstören sollte.

 

Abschlusserklärung…

 

Vor der offiziellen Abschlusserklärung wurde die Siegerehrung des Fotowettbewerbs „Der Baum in der Linse“ vorgenommen. Die im Rahmen dieses SJR-Wettbewerbs entstandenen Bilder bleiben im Jugendzentrum „Fun Factory“ bis auf weiteres ausgestellt. Im Rahmen einer bildgestützten Kurz-Vorstellung berichtete Ulrike Seifert von Alpenverein Kaufbeuren über eine beispielhafte Exkursion mit Kindern  im „Wertachpark“.

 

Im Rahmen seiner vornehmlich nachdenklich geprägten Abschlusserklärung betonte Peter Orendi, dass die Inhalte des „Internationalen Jahres der Wälder“ 2011, die im abgelaufenen Jahr das Interesse von weit über 1.000 Teilnehmer an allen Einzelveranstaltungen erreicht haben,  auch in die Folgejahre ab 2012 übergeleitet werden müssen um dabei auf allen staatlichen und kommunalen, (vor-)politischen, gesellschaftlichen und sonstigen Ebenen entsprechende Überzeugungen  zu vermitteln, die insbesondere auch die Raum-, Landes-, Regional- und Stadtplanungen beeinflussen müssen; aber auch um alle Menschen – mit ihrem Umwelt-Bewusstsein –  in und aus allen fünf Erdteilen, die sich auch in Kaufbeuren mit seinen fünf Stadtteilen eingefunden haben, zu erreichen…  Peter Orendi erklärte zum Schluss das „Internationale Jahr der Wälder“ für den Bereich Kaufbeuren und Umgebung für beendet.

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